Der Antiziganismus ist ein Teil des europäischen Kulturerbes. Roma und Sinti stehen vor einer europäischen Gesellschaft, die sich nicht mit ihnen als Menschen beschäftigt, sondern als "Zigeuner" bildhaft vorstellt.
Dieses bildhafte Denken ist das Problem des Antiziganismus, es erklärt der Mehrheitsgesellschaft das Sein und Verhalten der Roma und Sinti unabhängig von deren Lebenswirklichkeit. Das Bild des nomadisierenden Zigeuners ist ein gutes Beispiel für diese Verkennung der Wirklichkeit.
Die lange, geschichtliche Tradition des Antiziganismus und die breite Übereinstimmung der Mehrheitsbevölkerung in der Ablehnung der Sinti und Roma verweigern unserer Minderheit bis heute die Teilnahme am ganz normalen Leben oder erschweren diese Teilnahme zumindest ungeheuer.
Antiziganismus und Antisemitismus
Antiziganismus bedeutet die Ablehnung und Feindschaft gegenüber Sinti und Roma.
Antisemitismus bedeutet die Ablehnung und Feindschaft gegenüber Juden.
Beide haben große Ähnlichkeit und Parallelen:
Sie gehen von eingeschliffenen und überlieferten Bildern und „Typen“ aus.
Sie beschäftigen sich nicht mit den wirklichen Menschen und Minderheiten, sondern sie erklären das Verhalten der Minderheiten anhand von Bildern, unabhängig von deren Lebenswirklichkeit.
Beim Antisemitismus und beim Antiziganismus kann man drei Varianten – wenn auch mit leichten Abwandlungen – unterscheiden ( nach Wolfgang Wippermann ):
religiöser Antisemitismus:
Juden als „Mörder von Jesus Christus“
religiöser Antiziganismus:
„Zigeuner“ als „Abkömmlinge des Teufels“ oder „Türkenspione bzw. Moslem-Spione“
sozialer Antisemitismus:
Juden als „Wucherer“, „schwimmen in Geld“ – „zu reich“
sozialer Antiziganismus:
„Zigeuner“ als „Bettler“, „Vagabunden“ – „zu arm“
rassistischer Antisemitismus:
„Fremdrasse“, Nazi-Propaganda
rassistischer Antiziganismus:
„Fremdrasse“, Nazi-Propaganda