Erneut zu Gast in Düsseldorf: Das Werkraumtheater Walldorf

Ein außergewöhnliches Kinder- und Jugendtheater auf Tournee in Düsseldorf:700 Schülerinnen und Schüler verfolgten „Elses Geschichte“ 

Vier Tage, vom 2. bis 5. November 2010 gastierte das Werkraumtheater aus Walldorf bei Heidelberg an Düsseldorfer Schulen. Die Kinder und Jugendlichen des Theaters hatten ihre Herbstferien eingesetzt, um die Gastspielreise nach Düsseldorf zu unternehmen. Ermöglicht hatte diesen Besuch die Landeshauptstadt Düsseldorf auf Anregung der Ersten Bürgermeisterin, Frau Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann. 

Insgesamt 700 Schülerinnen und Schüler, vorwiegend der Jahrgangsstufen 6 und 7, ließ das Theater in einer dichten und bewegenden Darstellung teilhaben an der Geschichte des Sinti-Mädchens Else, und die überwiegende Mehrzahl der Zuschauer verfolgte gebannt und aufmerksam die Vorstellungen. 

Die beteiligten Schulen: 
Heinrich-Heine-Gesamtschule, Graf-Recke-Straße; 
Lessing-Gymnasium, Ellerstraße; 
Hauptschule Graf-Recke-Straße,
zu dieser Aufführung kamen Schülerinnen und Schüler von der Realschule Benrath hinzu;
Geschwister-Scholl-Gymnasium, Redinghovenstraße.
 

Das Theaterstück geht zurück auf das Kinder- und Jugendbuch von Michail Krausnick und Lukas Rügenberg: „Elses Geschichte – Ein Mädchen überlebt Auschwitz“ (Beltz-Verlag 2007), das die Leiterin des Werkraumtheaters, Jasmin Rahimi-Laridjani, für die Bühne erarbeitet und inszeniert hat.

Alle Charaktere des Theaterstücks werden von Kindern und Jugendlichen dargestellt. Dies trägt zur besonderen Dichte der Aufführungen bei.

Bewunderung galten Saskia Holzschneider als Else und Alexandra Philipp als Erzählerin für die sichere Beherrschung ihrer großen Rollen. Überzeugend waren auch Annika Müller-Paefke und Christoph Rehorst als Eltern Matulat und die Mitgefangenen von Else in Auschwitz: Katharina Bodale als Wanda, die Else unter ihren Schutz nimmt, sowie Fiora Blettner und Lea-Sophie Müller-Paefke. In den Rollen von Gestapo-Beamten und SS-Wächtern setzten Janine Schröder und Anika Bittner um, wie „vorschriftgemäß“, befehlsgewohnt und mitleidlos die damaligen Funktionsträger Aussonderung und Deportation durchführten.

Elses Geschichte ist aber nicht nur ein Beispiel für das Leidens- und Verfolgungsschicksal der Sinti und Roma, sondern auch eine Geschichte darüber, was Entschlossenheit, Menschlichkeit und Mut auch in der finstersten Stunde bewirken können. Gerade das trägt dazu bei, dass Elses Geschichte „viele Herzen und Köpfe erreicht“ – so, wie im Epilog des Stückes ausgedrückt. 

 

Theater von großer Intensität:

„Amra – ein Mädchen aus Bosnien“ in der Versöhnungskirche 

Von 1992 bis1995 dauerte der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina, der mit den „ethnischen Säuberungen“ einer der brutalsten Konflikte in Europa nach dem 2. Weltkrieg war. Die Zerrissenheit der bosnischen Bevölkerung, ihre Aufwiegelung und die extreme Brutalität insbesondere gegen die „muslimische“ Bevölkerung und andere Minderheiten greift die Leiterin des Werkraumtheaters, Jasmin Rahimi-Laridjani, in dem selbst geschriebenen und inszenierten Theaterstück „Amra – ein Mädchen aus Bosnien“ auf. Tatsachenberichte, Zeugenaussagen und Briefe sind die Grundlage des Stücks. 

Für die Aufführung am Mittwoch, dem 3. November 2010, hatte die Diakonie in Düsseldorf gastfreundlich die Versöhnungskirche im Diakoniezentrum Düsseldorf-Flingern (Platz der Diakonie 1) zur Verfügung gestellt. 

Anika Bittner (17) und Jasmin Schröder (18) ließen durch ihr variationsreiches Spiel die Schrecken, das Ausgeliefertsein und die Verzweiflung der Menschen im bosnischen Bürgerkrieg nachfühlen. Mit szenischen Darstellungen in verschiedenen Rollen und anhand von Amras Tagebuch und Briefen stellten nach, wie Familien- und Freundschaftsbande zerrissen und die Spirale der Gewalt immer größere Ausmaße annahm. Auch die Fremdheit und Kälte, die diejenigen erlebten, denen die Flucht nach Deutschland gelungen war, waren für das Publikum intensiv spürbar. Die beiden Darstellerinnen spielten ihre Rollen so intensiv und einfühlsam, dass es den Zuschauern „den Atem nahm“. Die Projektion von Dokumentarfotografien aus dem Krieg und Fotos der betroffenen Familien sowie die stimmige, ruhig-melancholische Musikuntermalung unterstrichen die Intensität des Kammerspiels.

Mit „Amra – ein Mädchen aus Bosnien“ bereitete das Werkraumtheater einen großen Theaterabend im Programm von „Respekt und Mut“. 

 

Kooperationspartner der Theatertage 

Landesverband Deutscher Sinti und Roma NRW – Werkraumtheater Walldorf – Landeshauptstadt und Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf –Diakonie in Düsseldorf – Düsseldorfer Appell/„Respekt und Mut 2010“

Unser herzlicher Dank gilt allen Unterstützerinnen und Unterstützern:

Der Landeshauptstadt Düsseldorf für die Ermöglichung und Förderung der Tournee, den Mitarbeiterinnen der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Astrid Wolters und Sandra Franz für die Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der Besuchstage und bei der Begleitung der Gruppe und noch einmal ganz besonders den jungen Darstellerinnen und Darstellern und ihren Begleitern vom Werkraumtheater Walldorf!

 

AB 25.11.2010