Bochum 16. Februar 2008
 
Vortrag von Lutz Berger, VVN-BdA Bochum: „Verachtet, vertrieben, verfolgt“ – Die Verfolgung der Sinti und Roma in Bochum und Wattenscheid Vortrag von Christof Reinders, amnesty international Bochum: „Noch immer ungleich, noch immer getrennte“ – Der Ausschluss von Roma-Kindern in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens von der Schulbildung. Erschreckend viele Kinder und Jugendliche, nämlich 117 Personen unter 18 Jahren, wurden aus Bochum und Wattenscheid am 10. März 1943, zusammen mit ihren Familien, nach Auschwitz deportiert. Von diesen jungen Menschen kehrte keiner zurück. In einem faktenreichen Vortrag zeigte Lutz Berger die Radikalität und Unausweichlichkeit der bürokratisch-akribisch organisierten Ausgrenzung, der Internierung in Bochumer und Wattenscheider Sammellagern, der rassistischen „Begutachtung“ und schließlich der Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf. Indem er namentlich die Familien und ihre Schicksale in Erinnerung rief, wurde sein Vortrag sehr konkret und setzte sehr persönliche Zeichen. An das Schicksal dieser Kinder und ihrer Familien muss genauso erinnert werden, wie an das Schicksal der 31 jüdischen Kinder aus Bochum und Wattenscheid. Sie wurden in der gleichen Radikalität wie die jüdischen Mitbürger dieser Kernstädte des Ruhrgebiets Opfer des rassistisch motivierten Völkermords durch die Nationalsozialisten. Christof Reinders zeigte anschließend in seinem Vortrag die aktuelle Situation von Roma-Kindern in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien auf. Apartheid-ähnliche Verhältnisse bestimmen das Leben der Minderheit in Slowenien, in Kroatien, in Mazedonien, in Bosnien-Herzegowina und ganz extrem in Serbien bzw. im Kosovo. Bis heute ist die Menschenrechtssituation in den Ländern – trotz EU-Beitritten bzw. EU-Anwartschaft (Serbien) – katastrophal. Die meisten Angehörigen der Roma leben dort gettoisiert, unter ärmsten Bedingungen und hoher Arbeitslosigkeit. Die Kinder sind vom Bildungswesen und Gesundheitswesen nahezu ausgeschlossen. |